Adventskalender für Kleinkinder

Ich habe eine ganze Weile mit mir gerungen, ob unsere knapp zweijährige Tochter schon einen Adventskalender braucht bzw. ob sie schon etwas damit anfangen kann. Meine Antwort war fast schon nein, bis ich mich an einem ein wunderschöne Idee aus einem anderen Blog erinnert habe.

Bei ihrem ersten (und bisher einzigen) Weihnachtsfest konnte das Wuckelkind gerade so krabbeln und ich habe nicht den Eindruck, dass sie sich besonders daran erinnert. Zumindest hat sie bisher nie den Baum in Opas Wohnzimmer erwähnt, und das fände sie heute sicherlich äußerst bemerkenswert. In jedem Fall hat sie kein Konzept von Weihnachten und jährlich wiederkehrenden Festen, so dass sie den Sinn eines Adventskalenders aktuell noch nicht verstehen kann. Es gibt also erstmal keinen Grund, ihr einen Adventskalender zu schenken, insbesondere da sie auch keine älteren Geschwister hat, die einen bekommen.

Ich finde sogar, dass ein klassischer Adventskalender mit seinen inflationären Süßigkeiten oder Geschenken eher zu viel des Guten wäre. Schokolade kriegt sie noch nicht und Obst darf sie im Prinzip naschen soviel sie will. Und bei der Vorstellung, 24 Krimskramssachen in die Wohnung zu lassen, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Bei Freunden gab es einmal einen Adventskalender mit Duplo-Tierkindern, mit denen man immerhin länger Spaß haben kann. Aber auch da fände ich so viele in ihrem Alter noch zu viel. Das gleiche gilt für Pixi-Bücher und ähnliches.

Trotzdem finde ich, dass die Adventszeit für Kinder eine besondere Zeit sein sollte, und gute Traditionen kann man ja fast nicht früh genug etablieren. Zum Glück habe ich mich letzte Woche noch entfernt daran erinnert, dass ich da irgendwo in einem meiner Lieblingsblogs einmal eine gute Idee gesehen hatte. Nach kurzer Suche wurde ich bei den Eltern vom Mars und ihren „Zeit-für-dich“-Adventskalendern fündig.

Adventskalender

Die Idee dahinter ist ganz einfach: statt Spielsachen und Süßigkeiten gibt es Zeit und Aufmerksamkeit! Ich habe mir also vierundzwanzig Aktivitäten einfallen lassen (bzw. teilweise von den Eltern vom Mars übernommen), die wir zusammen machen können. Dabei sind auch einige „besondere“ Sachen dabei, wie zum Beispiel ein Besuch im Naturmuseum oder gemeinsames Plätzchenbacken. Damit die Adventszeit aber weder bei ihr noch bei uns in Stress ausartet, gibt es auch viele „normale“ Aktivitäten, wie gemeinsames Pfannkuchenmachen oder Fingerfarbenmalen. Bei der Planung haben wir vor allem in Betracht gezogen, wie lange sie an den jeweiligen Tagen in der Kita ist und welche Aktivitäten besser mit Mama und welche besser mit Papa gemacht werden.

In ihren Adventskalender (noch nicht ganz fertig) kommen dann kleine Hinweise auf die jeweilige Aktivität. Für mich hat das ganze den Vorteil, dass ich jetzt schon weiß, was kommt, und weniger Stress mit überspontanen Vorbereitungen haben werde. Ich freue mich schon sehr auf die vielen gemeinsamen Aktivitäten!

Falls jemand noch auf der Suche nach Ideen ist, sind hier alle Aktivitäten der Eltern vom Mars (für knapp Zweijährige). Es gab dort den Advents-Kalender auch in den folgenden Jahren, allerdings habe ich nur den vom letzten Jahr (knapp 5 Jahre?) wiedergefunden.

Montessori für Kleinkinder?

Wenn man sich mit einem Säugling oder Kleinkind für Montessori-Pädagogik interessiert, kommt man meist nicht umhin, sich ebenfalls mit den Ideen Emmi Piklers zu beschäftigen.

Emmi Pikler
Emmi Pikler (Bild: lucia vichi (flikr) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons)
Emmi Pikler (1902-1984) war eine ungarische Kinderärztin, die unter anderem lange Zeit ein Kinderheim in Budapest geleitet hat. Sie beschäftigte sich einen Großteil ihres Lebens mit den Bedürfnissen der Kleinsten, und mit der Frage, welche Betreuung für eine gesunde Entwicklung am besten ist.

Ihre Beobachtungen und Schlussfolgerungen ähneln in vielerlei Hinsicht denen Maria Montessoris. So betrachtet auch Emmi Pikler schon die kleinsten Kinder als eigenständige, vollwertige Menschen, denen mit Achtung und Respekt begegnet werden muss. Sie geht ebenfalls davon aus, dass es die Aufgabe der Eltern und Pädagogen ist, der individuellen Entwicklung der Kinder zu folgen, und nicht „von außen“ zu erziehen. Genau wie Montessori empfiehlt Pikler die Kinder ihre Beschäftigung frei wählen zu lassen, wobei die Aufgabe der Betreuer darin besteht, ihre Schützlinge zu beobachten und ihre Umgebung entsprechend ihrer aktuellen Interessen ansprechend vorzubereiten.

Im Gegensatz zu Maria Montessori beschäftigte sich Emmi Pikler jedoch besonders mit der Entwicklung der Jüngsten, vom Säuglingsalter bis etwas drei Jahre.

Wichtig sind dabei von Seiten der Eltern und Erzieher die Achtung vor der Würde des Kindes und ein freundlicher und gelassener Umgang mit den Kindern. Dadurch erhalten sie die notwendige Sicherheit für eine eigenständige Entwicklung. Darüber hinaus beruht die Pikler-Pädagogik auf drei Grundpfeilern:

  1. Pflege

    Die Pflege (Wickeln, Umkleiden, Baden, etc) ist eine wertvolle Gelegenheit, die Bindung zwischen Kind und Eltern (oder Erziehern) zu stärken und ihnen einerseits Geborgenheit zu vermitteln, andererseits aber auch Vertrauen in sich selbst aufzubauen.

    Baby hält Finger von Erwachsenem

    Der Schlüssel dazu ist vor allem ausreichend Zeit. Ich wechsle die Windeln nicht so schnell es geht, sondern tue dies mit ruhigen Bewegungen, wobei ich mit dem Kind spreche und zum Beispiel immer meinen nächsten Schritt ankündige („jetzt lege ich dich gleich hin, um dir die Windeln zu wechseln“). Während der Pflege hat meine Tochter meine volle Aufmerksamkeit, d.h. ich gehe nicht in Gedanken den Einkaufszettel durch, sondern nehme ihre Reaktionen wahr und reagiere darauf. Zudem ermutige ich sie, selbst etwas beizutragen. Als sie klein war, konnte das zum Beispiel eine Bemerkung sein wie „Oh, du hilfst ja, deinen Arm in den Ärmel zu stecken“. Jetzt, da sie schon sehr viel selbst machen kann, bedeutet es vor allem geduldiges Abwarten, wenn sie zum Beispiel versucht, ihre Socken alleine anzuziehen.

  2. Bewegungsentwicklung

    Bei der Bewegungsentwicklung (Drehen, Setzen, Krabbeln, etc) vertraut man auf das Kind. Zum einen bedeutet das, dass man die Entwicklung nicht „fördert“, z.B. indem man das Kind hinsetzt, bevor es sich selbst setzen kann, sondern man lässt ihm die Zeit, sich diese Fähigkeiten selbstständig zu erarbeiten (das wird inzwischen aber auch von jedem Kinderarzt so empfohlen).

    Die einzige Förderung besteht darin, dass man dem Kind die Gelegenheiten gibt, seine Fähigkeiten zu entwickeln. Für die ersten Monate empfiehlt Pikler zum Beispiel die Rückenlage, da der Säugling dadurch die Möglichkeit erhält, seine Hände zu entdecken und erkunden. Das erste „Spielzeug“ kann dann ein kleines Tuch sein, an dem das Kind üben kann, einen Gegenstand loszulassen. Sobald das Kind, sich selbstständig vorwärts bewegen kann, kann man ihm verschiedene Gegenstände zum erklettern und erkunden bereitstellen. Am bekanntesten ist wohl das sogenannte Piklerdreieck, das man auch noch mit einem Rutschbrett ausstatten kann oder mit einer Decke schnell in eine Höhle verwandelt hat. Im Prinzip ist aber alles interessant, was einen sicheren Stand hat und in das man Hineinkriechen oder auf das man klettern kann. Für den Anfang kann da auch schon ein festes Kissens aus der Sofarückenlehne ein interessantes Kletterobjekt sein. Der schwierigste Aspekt für die Eltern bei der ganzen Sache ist, nicht dauernd zu unterstützen und einzugreifen. Solange keine Gefahr besteht, dass sich mein Kind ernsthaft verletzen kann (dann wäre das noch kein geeignetes Spielgerät), schaue ich tapfer zu und riskiere auch mal, dass sie wo runterrutscht und sich eventuell ein paar blaue Flecken holt.

  3. Freies Spiel

    Der dritte Eckpfeiler der Pikler-Pädagogik ist das freie Spiel, das sich nur wenig von der Montessori-Pädagogik unterscheidet. Auch in der Pikler-Pädagogik gibt es eine vorbereitete Umgebung, in der sich das Kind frei bewegen kann und selbstständig aus geeigneten, entwicklungsabhängigen Spielmateralien auswählen kann. Da die Kinder noch so klein sind, stehen viele Materalien nicht in Regalen aufgereiht, sondern als kleine Spielinseln auf dem Boden. Damit das übersichtlich und einladend bleibt, muss man allerdings regelmäßig aufräumen (das muss man bei Kindern im Krabbelalter aber sowieso).

    Baby spielt mit Bauklötzen

    Dabei sollte es innerhalb der Spielumgebung keine Verbote geben. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass alles in Reichweite für das Kind sicher sein muss, und dass nichts, was man nicht in Kinderhänden sehen will, für das Kind erreichbar ist (für uns kein Problem, wir haben gerade keine Original-Bodenvasen aus der Ming-Dynastie). Pikler hält dabei auch mit Schutzgittern abgegrenzte Bereiche für sinnvoll, insbesondere im Zusammenleben mit älteren Geschwisterkindern.

 

Schnelle Herbstmalerei für die Kleinsten

Letzte Woche hat D auf dem Heimweg aus der Kita zwei große Platanenblätter gesammelt (sie hatte sie selbst dann noch fest in den Händen, als sie in der Trambahn eingeschlafen war). Damit lässt sich doch spontan was anfangen!

Platanenblätter

Malen ist zur Zeit (und voraussichtlich noch ziemlich lange) eine beliebte Beschäftigung von D. Ich vermute, dass wir dabei noch sehr lange Zeit das immer gleiche Motiv zu sehen kriegen: Kritzel.

Dieses Mal haben wir allerdings die gesammelten Herbstblätter unter das Papier gelegt (mit der Unterseite nach oben), so dass sich beim Drübermalen mit den Wachsmalblöcken die Blattrippen abgezeichnet haben.

Hier ist das Ergebnis:

Blätterbild mit Wachsmalkreiden

Ich finde, das ist auch optisch ganz ansprechend geworden. Ok, man sieht vielleicht, dass ich ein bisschen mitgemalt habe. D war aber hocherfreut, dass ich mit ihr über das Papier kritzle und war begeistert mit dabei. 🙂 Danach hat sie aber mindestens genauso lange damit verbracht, auf die einzelnen Wachsmalblöcke zu zeigen und die Farben abzufragen.

Erst einmal abwarten

Als wir vorhin aus der Kita nach Hause gekommen sind, hat D schon beim Betreten der Wohnung in Richtung Schlafzimmer gezeigt: „Müde“. Wir legten uns also zusammen ins Bett und nach zwei Minuten kam auch schon die Ansage „Fertig. Auf!“. Offensichtlich hatte ich mir zu früh Hoffnung auf ein einfaches Einschlafen gemacht, denn D hatte plötzlich wieder ganz viel Energie. Aus Erfahrung weiß ich aber, dass D ihren Nachmittagsschlaf noch braucht und dass einfach wieder Aufstehen etwas später zu einer übermüdungsbedingten Schlechtelaunephase führt, bis sie dann irgendwann doch erschöpft einschläft. Also habe ich darauf bestanden, dass zumindest ich müde sei und jetzt schlafen müsse. Daraufhin hat D ihren Schnuller (den sie noch zum Schlafen bekommt) offensichtlich mit Absicht aus dem Bett geworfen. „Oh nein!“

Abwarten und Tee trinken

Hier gab es nun also zwei Möglichkeiten: ich sammle ihn wieder auf oder ich warte erstmal ab. Ich habe mich für letzteres entschieden. D kletterte aus dem Bett, holte ihren Schnuller, kletterte wieder rein – und warf den Schnuller wieder raus („Oh nein!“). Ich verstehe zwar nicht, was sie damit bezweckte, aber so ging das noch dreimal, bevor sie letztlich ihr Fahrwerk einklappte und ruhig einschlief.

Ich kann mir ungefähr ausmalen, was alternativ hätte passieren können: ich stehe auf und gebe D ihren Schnuller zurück. Sie wirft ihn wieder raus. Ich bin genervt, weil sie mich wohl ärgern will, sie ist frustriert, weil ich dauernd ihren Plan durchkreuze ihn selbst zu holen (woher soll ich das bitte auch wissen?). Nicht gerade der Weg zu einem entspannten Einschlafen.

Das hat mir mal wieder gezeigt, dass es sich mit Kindern oft auszahlen kann, erstmal abzuwarten, was sie tatsächlich vorhaben.

Ein Augenblick Geduld kann viel Unglück verhüten.
(Chinesisches Sprichwort)

Diese Grundhaltung uns schon viele Missverständnisse erspart. Kürzlich habe ich D zum Beispiel gebeten, die Badtür von innen zu schließen. Und was macht sie? Saust durch die Tür davon! Ich habe nicht gleich darauf reagiert, sondern erstmal geschaut, was sie weiter macht. Sie lief zur Tür der Speisekammer, die normalerweise immer geschlossen ist, und drückte sie zu. Dann kam sie zurück ins Bad und schloss die Tür. Offensichtlich störte sie die offene Speisekammertür (oder sie hat verstanden, dass sie alle Türen schließen soll), sie wollte aber auch meinen Auftrag erfüllen. Ich finde, das hat sie gut gelöst!

Warten

Was wäre passiert, wenn ich sie direkt wieder eingefangen hätte? Vermutlich wäre sie ärgerlich gewesen, dass die andere Tür offen bleibt. Gleichzeitig hätte sie sich wohl auch sehr unverstanden gefühlt, weil sie meiner Bitte ja nachkommen wollte. Und ich hätte ihr vielleicht in Zukunft etwas weniger Kooperation zugetraut.

Habt ihr auch schon solche Erfahrungen gemacht?

DIY-Montessori-Spiegel mit Haltestange

Inspiriert von einem Blogeintrag bei The Kavanaugh Report haben wir für D kurz nachdem sie angefangen hat zu robben einen Spiegel mit Haltestange montiert. Es gibt solche Spiegel zwar auch fertig im Handel zu kaufen, dabei handelt es sich aber meist um Kitaausstattung, die für den normalen Hausgebrauch etwas arg kostspielig ist.

Spiegel mit Haltestange

Der Spiegel ist von IKEA und hat wie die meisten Spiegel dort auf der Rückseite eine Sicherheitsfolie, die ein Zersplittern in viele Einzelteile verhindert. Wenn ich daran denke, was dieser Spiegel bei uns schon alles einstecken musst, zweifle ich allerdings langsam daran, ob er überhaupt zerbrechen kann. Den Spiegel haben wir einfach mit den zwei vorgesehenen Halterungen befestigt, er sitzt aber zusätzlich noch auf der Sockelleiste auf.

Unser ursprünglicher Plan sah für die Haltestange einen Treppengeländerhandlauf vor. Letztere waren allerdings nicht nur sehr teuer, sondern für Babyhände auch deutlich zu groß. Wir haben den ganzen Baumarkt nach geeignetem Material abgesucht und letztlich eine gute Alternative gefunden. Für die Stange haben wir im „Bastelregal“ der Holzabteilung eine Buchenholzstange entdeckt, die perfekt war: richtige Länge, unbehandelt und perfekt geschliffen für wenige Euro. Die Halterung ist eigentlich für Vorhangstangen gedacht. Normalerweise wird die Stange da mit einer flachen Schraube festgeklemmt, wir haben stattdessen spitze Holzschrauben verwendet, die in die Haltestange hineinreichen. Wir hatten auch erst Bedenken, dass die Vorhanghalterung in unserer Leichtbauwand nicht ordentlich hält, aber mit den richtigen Dübeln ist das felsenfest.

Kind hängt sich an Stange vor einem Spiegel

D hat die Stange sehr gerne für Aufsteh- und Balanceübungen benutzt (teilweise sah das aus wie ein Plié an der Balettstange). Den Spiegel fand sie in dem Alter vor allem faszinieren, weil wir da hinter ihr und im Spiegel zu sehen waren. Inzwischen verwendet sie ihn noch gerne, um zu überprüfen, ob ihre Haarspange richtig sitzt, um Tierparaden auf der oberen Kante entlanglaufen zu lassen oder um sich gaaaaanz schwer an die Stange zu hängen.

 

Die Schaukraft der Liebe

„Man könnte sagen, die Liebe sei der Maßstab für das Heil und die Gesundheit der Seele.“
M. Montessori, Kinder sind anders (S. 146)

Um die Gedanken Maria Montessoris tiefergehend zu verstehen, lese ich in letzter Zeit weniger Sekundärliteratur und Blogs, sondern vermehrt ihre selbst verfassten Werke.

In dem Buch, das auf Deutsch unter dem Titel „Kinder sind anders“ erschienen ist (Italienischer Originaltitel „Il segreto dell’infanzia“), motiviert und erläutert sie die Grundzüge ihrer Methode für eine breite, mit Kindern befasste, Leserschaft.

Das Buch gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil, der die Hälfte des Buches ausmacht, beschreibt und kritisiert sie die (damals) aktuelle Lage vieler Kinder. Die Welt sei vollends auf die Belange von Erwachsenen ausgelegt, die blind für die wirklichen Interessen der Kinder sind, aber von den Kindern größtmögliche Rücksichtnahme einfordern. Der zweite Teil beginnt mit vielen kleinen Episoden aus ihren Kinderhäusern. Daraus entwickelt sie die Idee „normalisierter“ Kinder mit allerlei wünschenswerten Eigenschaften, die sich ohne schädliche Einwirkungen Erwachsener in einer geeigneten Umgebung quasi automatisch einstellen. Wichtig ist dabei von Seiten der Erzieher vor allem die innere Haltung und das Ablegen verschiedener hinderlicher Charakterzüge wie Zorn oder Hochmut. Der dritte Teil beschreibt vor allem, wie sich die Arbeitsweise von Kindern und Erwachsenen unterscheidet.

Ein Kapitel, das mich besonders berührt hat, findet sich gegen Ende des ersten Teils (S. 146-151) und handelt von der „Schaukraft der Liebe“. Ich habe etwas Schwierigkeiten mit dieser deutschen Übersetzung „Schaukraft“ (nie gehört). Maria Montessori erklärt in der Einführung des Kapitels aber, dass sie damit auf Dantes „intelleto d’amore“ anspielt. Vermutlich könnte man das tatsächlich auch als Intellekt, Intelligenz oder Geist der Liebe übersetzten. Die Liebe zu seiner Umwelt sei es, was das Kind antreibt. Nicht die Liebe als ein Gefühl, denn „die kindliche Liebe kommt aus der Intelligenz und sie baut auf, indem sie liebevoll sieht und beobachtet.“

Das intensive Leben und Erleben der Kinder kommt daher, dass sie den Dingen gegenüber keine Gleichgültigkeit empfinden, weshalb ihnen auch Details und das „Verborgene“ nicht entgehen (im Gegensatz zu vielen Erwachsenen).

„Im Kinde ist die Liebe noch frei von Widersprüchen. Es liebt, weil es die Welt in sich aufnimmt, weil die Natur ihm dies gebietet. Und es absorbiert alles, was es aufnimmt, um es dem eigenen Leben, der eigenen Persönlichkeit einzuverleiben.“

Babyhand hält Finger von Erwachsenen

Der „wichtigste Gegenstand der Liebe“ ist dabei der Erwachsene, der dadurch einen so starken Einfluss auf das Kind gewinnen kann, dass er „im Kinde selbst zu leben und zu handeln vermag“. Das Kind möchte die Wünsche die Erwachsenen in einem Maße erfüllen, das „bis an die Wurzeln seines Geistes reicht“.

„Nie dürfen wir vergessen, dass das Kind gehorchen möchte und dass es liebt.“
M. Montessori, Kinder sind anders (S. 148)

Probleme treten dann auf, wenn Erwachsene etwas unterbinden wollen, was für die Entwicklung des Kindes unerlässlich ist: „Verlangt der Erwachsene jedoch, dass das Kind ihm zuliebe auf Betätigungen verzichte, die jedes Geschöpf nach unabänderlichen Regeln und Gesetzten vollführen muss, dann kann das Kind einfach nicht gehorchen. (…) Jedes Mal, wenn der Erwachsene statt Gehorsam auf eine Laune des Kindes stößt, sollte er an diesen Konflikt denken und einsehen, dass das Kind etwas verteidigt, was für seine Entwicklung lebensnotwendig ist.“

Montessoris Ausdruckskraft ist auf diesen Seiten so stark, dass ich mich tatsächlich schwer tue, ihre Gedanken in eigenen Worten zu vermitteln. Falls jemand nicht gerne Originalliteratur liest, empfehle ich daher trotzdem einen Blick in dieses eine Kapitel (das Buch ist in den meisten Bibliotheken vorhanden, und da geht man mit Kind ja sowieso mal gerne hin).

Der Rest des Kapitels enthält primär ein Plädoyer an die Erwachsenen, dass sie die Liebe des Kindes erkennen und wertschätzen sollen, und dass viele kindliche Verhaltensweisen, die für die Erwachsenen unbequem sind, in Wahrheit dieser unermesslichen kindlichen Liebe geschuldet sind.

Als ein Beispiel schildert Montessori eine Situation, die wohl wirklich jeder kennt: es ist quasi noch mitten in der Nacht, die Kinder sind hellwach und bestehen darauf, dass man jetzt aufsteht. Hier muss ich nun wieder aus dem Originaltext zitieren, weil er fast schon poetisch ist: „Vater und Mutter schelten: ‚Haben wir dir denn nicht tausendmal gesagt, dass du uns nicht so früh wecken darfst?‘ ‚Ich wecke euch ja nicht‘, mag das Kind antworten, ‚ich wollte euch nur einen Kuss geben!‘ Das bedeutet soviel, wie wenn es sagte: ‚Nicht körperlich wollte ich euch wecken – ich wollte euren Geist wachrufen!‘

Na gut, ich gebe zu, dass D nicht kommt, um uns zu küssen, sondern um uns wortwörtlich aus den Bett zu zerren. Doch so schwer das Aufstehen dann auch sein mag, der Gedanke, dass es ihre Liebe zu uns ist, die sie antreibt, lässt sie uns immer wieder auch früh morgens mit einem Lächeln begrüßen.

Lieblingsbücher (12-18 Monate)

Ich fand es relativ schwierig, geeignete Bilderbücher für D zu finden, die folgende Kriterien erfüllen:

  • das Buch sollte echte Fotografien und nicht nur Zeichnungen enthalten,
  • die abgebildeten Gegenstände sollten für D im echten Leben Relevanz haben, und
  • die einzelnen Seiten sollten nicht zu überladen sein.

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Das Buch Kennst du das? Dein Körper war Ds erstes Bilderbuch, da sie sehr von Bildern anderer Babies und Kinder fasziniert war. Das Buch geht auf die verschiedenen Körperteile ein, aber auch auf die Sinne, Kleidung, oder was man alles mit seinem Körper tun kann („hüpfen“, „klatschen“, etc). Ich finde dieses Buch immer noch sehr gut. Es hat ein handliches Format, mit dem auch schon kleinere Kinder gut klarkommen. Ich denke auch, dass wir an diesem Buch noch weiter Freude haben werden, da es insgesamt einen recht großen Wortschatz abdeckt und auch „schwierige“ Bilder, wie das Erkennen von Gefühlen anhand der Mimik enthält.

fuehlwoerterbuch

Das Buch Mein Fühl-Wörterbuch Mein Tag ist nach den gleichen Kriterien ausgesucht. Es hat auch auf jeder Seite noch eine kleine Fläche aus einem anderen Material, das die Kinder zum Tasten einlädt. Abgesehen von den „felligen“ Flächen finde ich das allerdings nicht besonders gut umgesetzt, weil der haptische Reiz oftmals nur sehr schwach ist.
Da dieser Aspekt für mich aber nicht im Vordergrund stand und D sich auch nicht übermäßig dafür interessiert, ist das für uns nicht weiter schlimm.

Die sensible Phase für Sprache wird gerade sehr viel deutlicher, da sie sich nicht mehr nur auf passives Aufnehmen beschränkt. D  liebt es, auf genannte Objekte zu zeigen, fragt selbst Begriffe ab und kann langsam auch mehr und mehr Gegenstände selbst benennen.

Buchcover

Das Klappen-Buch Unterwegs auf dem Bauernhof haben wir gebraucht geschenkt bekommen und schauen es auch schon sehr lange zusammen an. Es geht um einen Mutterkatze, die ihre Jungen sucht und bei vielen Tieren auf den Bauernhof nachschaut, ob sie nicht dort zu finden seien. Natürlich hat sie am Ende ihre Kinderschar wieder zusammen. D liebt es, die Klappen zu inspizieren und verschiedene Tierlaute nachzumachen. Inzwischen kommentiert sie auch schon teilweise selbst, was es auf den einzelnen Seiten zu entdecken gibt.

Cover

Da D recht viel Zeit in der Kita verbringt, wollte ich gerne ein Buch zu dem Thema, mit dem sie ihre Eindrücke und Erfahrungen dort etwas ordnen kann. Wenn sie irgendwann besser sprechen kann, kann es vielleicht auch manchmal als Aufhänger dienen, von ihren Erlebnissen in der Kita oder im Kindergarten zu berichten. Wir haben uns für Mein erstes großes KITA-Buch entschieden, da es auch Aspekte eines Wimmelbuches erfüllt (wobei wir hier von einer altersgemäß sehr gemäßigten Form sprechen) und das Buch eine gewisse ethnische Vielfalt widerspiegelt.

Zum ins Bett gehen, darf D immer zwischen den folgenden zwei Büchern wählen. Sie scheint dabei keine klare Präferenz (aber meist eine sehr klare Meinung) zu haben. Manchmal sucht sie aber auch eine ganze Woche das gleiche Buch aus.

Buchseite

Das Buch Zehn kleine Finger und zehn kleine Zeh’n hat einen sehr repetitiven Aufbau: es werden immer zwei Kinder in ziemlich unterschiedlichen Situationen geboren, haben aber, wie jeder sehen kann, trotzdem beide „zehn kleine Finger und zehn kleine Zeh’n“. Am Ende wir dann unser Kind geboren, bei dem das natürlich genauso ist. Es hat aber auch noch „eine Nasenspitze, zum dreimal küssen schön“. Was ich an dem Buch mag, ist vor allem die Vielfalt der Lebenssituationen, in denen die Babies geboren werden. Bei zwei Kindern (die auf dem Foto) driftet das Buch etwas ins Klischeehafte ab, da könnte ich mir vorstellen, dass das dem einen oder andern zuviel ist. D stört sich daran erwartungsgemäß kein bisschen, sie findet den Pinguin sogar sehr interessant.

Buchseite aus

Wenn kleine Tiere schlafen gehen haben wir zur Geburt von D geschenkt bekommen und schauen es auch schon immer gerne an, obwohl es offiziell (warum auch immer) erst ab 18 Monaten empfohlen ist. Auf jeder Seite macht ein Tierelternteil (mal Mama, mal Papa) es dem Tierkind mit einer kleinen Handlung gemütlich, die man auch selbst mitmachen kann (so streicht der Löwe dem Kind nochmal übers Fell, der Kater krault den Bauch, etc). Auf der letzten Seite wird dann gefragt, wie das bei uns gemacht wird, wo wir natürlich alles bisher gehörte machen und mit einem „Schmusekuscheleinschlafkuss“ enden. Am Zeichenstiel mag ich, dass Tiere optisch nicht allzusehr vermenschlicht werden. Die einzelnen Seiten enthalten nicht viele ablenkende Details, aber doch immer noch irgendetwas, das D entdecken und analysieren kann, wie z.B. den kleinen Käfer, der über den Ast krabbelt.